Ist Soja in Beikost und Kleinkindernährung tatsächlich problematisch?
Warum gilt Soja als „hormonell“?
Sojabohnen enthalten sogenannte Isoflavone. Dabei handelt es sich um sekundäre Pflanzenstoffe, die zu den Phytoöstrogenen zählen.
Der Begriff „Östrogen“ sorgt bei vielen Menschen verständlicherweise für Aufmerksamkeit.
Phytoöstrogene sind jedoch nicht mit dem körpereigenen Östrogen gleichzusetzen. Sie können zwar an bestimmte Östrogenrezeptoren binden, wirken im Körper aber anders und deutlich schwächer.
Aus dieser biologischen Eigenschaft lässt sich deshalb nicht automatisch ableiten, dass der Verzehr von Soja bei Babys oder Kindern zu hormonellen Veränderungen führt.
Darf mein Baby Soja essen?
Nach aktuellem Wissensstand gibt es keinen Grund, Soja bei gesunden Babys grundsätzlich aus der Beikost auszuschließen.
Sojahaltige Lebensmittel können – in altersgerechter Form und im Rahmen einer abwechslungsreichen Ernährung – durchaus Bestandteil der Ernährung sein.
Dazu können beispielsweise geeignete Sojaprodukte gehören.
Entscheidend ist dabei wie bei vielen anderen Lebensmitteln:
Nicht die einzelne Portion macht die Ernährung gesund oder ungesund, sondern das Gesamtbild.
Aber was ist mit den Phytoöstrogenen?
Gerade bei diesem Thema lohnt sich ein genauer Blick.
Isoflavone sind natürlicherweise in Sojabohnen enthalten. Die Tatsache, dass ein Lebensmittel einen biologisch wirksamen Stoff enthält, bedeutet aber nicht automatisch, dass dieser Stoff in den üblichen Verzehrmengen gesundheitsschädlich ist.
Auch viele andere Lebensmittel enthalten sekundäre Pflanzenstoffe, die im Körper biologische Wirkungen entfalten.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht:
„Enthält Soja Phytoöstrogene?“
Das tut es.
Die entscheidende Frage ist:
„Führt der Verzehr üblicher Mengen bei Babys und Kindern zu gesundheitlich relevanten Effekten?“
Nach derzeitigem Wissensstand gibt es keinen Anlass, Soja aufgrund seiner Isoflavone pauschal aus der Ernährung gesunder Kinder zu verbannen.
Abwechslungsreich statt einseitig
Trotzdem würde ich Soja nicht als „Superfood“ betrachten, das nun täglich und in großen Mengen auf dem Speiseplan stehen muss.
Denn auch hier gilt:
Vielfalt ist wichtiger als ein einzelnes Lebensmittel.
Eine ausgewogene Beikost besteht aus unterschiedlichen Lebensmittelgruppen und möglichst vielfältigen Geschmäckern und Konsistenzen.
Soja kann dabei eine Möglichkeit unter vielen sein.
Und was ist mit Sojadrinks?
Hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig:
Sojadrink ist kein geeigneter Ersatz für Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung.
Auch wenn ein Sojadrink aus Sojabohnen hergestellt wird, ist er hinsichtlich seiner Nährstoffzusammensetzung nicht mit einer Säuglingsnahrung gleichzusetzen.
Bei Säuglingen ist deshalb zwischen Soja als Lebensmittel in der Beikost und Sojadrink als Milchalternative klar zu unterscheiden.
Was bedeutet das für die Beikost?
Wenn dein Baby beikostreif ist, muss Soja nicht aus Angst vor „Hormonen“ grundsätzlich vermieden werden.
Viel wichtiger ist, auf eine abwechslungsreiche und altersgerechte Ernährung zu achten.
Neue Lebensmittel dürfen kennengelernt werden. Unterschiedliche Geschmäcker und Konsistenzen gehören zur Entwicklung des Essverhaltens dazu.
Und genau darum geht es bei Beikost:
Nicht darum, jedes einzelne Lebensmittel auf seine vermeintlichen „Gefahren“ zu überprüfen.
Sondern darum, Kindern Schritt für Schritt eine vielfältige Lebensmittelwelt zu eröffnen.
Fazit
„Soja ist hormonell“ ist zu kurz gedacht.
Ja, Soja enthält Isoflavone und damit Phytoöstrogene.
Aber daraus folgt nicht, dass normale Mengen Soja für Babys grundsätzlich hormonell bedenklich sind.
Nach aktuellem Wissensstand können Sojalebensmittel bei gesunden Kindern Bestandteil einer abwechslungsreichen Beikost sein.
Wie so oft gilt:
Nicht ein einzelnes Lebensmittel entscheidet über eine gesunde Ernährung – sondern das Gesamtbild.
Und genau dieses Gesamtbild sollten wir bei der Ernährung von Babys und Kleinkindern im Blick behalten.
